Natural User Interface – Vom GUI zum NUI

Intuition statt Bedienungsanleitung, Fühlen statt Sehen – Erobern wir uns die digitale Welt auf natürlichen Wegen. Prof. Wolfgang Hensler beschreibt in der De:Bug den Wandel vom GUI zum NUI.

Das Handlungsmodell OSIT: Orientieren, Selektieren, Informieren, Transagieren. Zunächst gilt es, sich bei der Bewegung im Raum (sei er nun virtuell oder real) einen Überblick zu verschaffen, die Situation zu erfassen und sich zu positionieren. Dann wird das für uns Wesentliche ausgewählt und sein Informationsgehalt gecheckt. Wir nähern uns, “zoomen heran”, greifen, entdecken Details. In der Transaktion nutzen wir das selektierte Objekt oder überführen es in einen anderen Zustand. Dieses Handlungsmodell ist, so Henseler, von einem Medium in ein anderes übertragbar. Für Webdesign bedeutet das einen Wandel von Hierarchie zu Orientierung, Größenverhältnisse können Relevanz veranschaulichen, Bewegung und Zoomen helfen bei der Kontextualisierung – Inhalte tauchen erst dann dynamisch auf, wenn sie relevant werden. Zum Beispiel: Die Informationen zu einem Video wird erst durch ein Flip deutlich, also ein dynamisches Drehen auf die Rückseite. Neben der Bewegung der Elemente ist die Unmittelbarkeit wesentlich. Apple hat dazu einen Styleguide verfasst, eine Liste aller natürlichen Gesten, die nicht erst erlernt werden müssen. An Touchscreens bemerken wir eine Art Befreiung von Maus und Keys durch direkten Zugriff auf die Objekte. Auch in ergonomischer Hinsicht erscheint das sinnvoll.

“Konkret bedeutet das, dass sich die Größe der Interaktionselemente nicht am Cursor, sondern am Finger orientieren muss. Interaktive Elemente müssen greifbar erscheinen und taktile Qualitäten vermitteln. Damit der Finger den Blick auf die dazugehörigen Beschriftungen nicht verdeckt, muss der Text darüber und nicht mehr unter oder auf dem Element stehen.”

NUI-Guidelines

  1. Kontextsensitiv und adaptiv, NUIs passen sich Interessen, Bedürfnissen und Erwartungen der User an
  2. NUI-Verhalten entspricht natürlicher Gestenwelt der Nutzer
  3. Bildschirmobjekte richten sich zum Benutzer hin aus
  4. Runde Ecken, den Fingern entsprechend
  5. Zoomfähige Objekte
  6. Dynamisches Zoomen um Nutzungskontest zu erhalten
  7. Eine Fläche / ein Screen, auf dem Sich Dinge verschieben, skalieren, aufsliden, sortieren und filtern lassen
  8. Direktes, unmittelbares Feedback (auditiv, taktil, visuell)
  9. Kreisförmige Anordnung auf Multiuser-Interfaces, da Nutzer von jeder Seite kommen können
  10. NUIs haben möglichst viele folgender Eigenschaften: dynamisch, flexibel, adaptiv, multimedial, kooperativ, situativ-relevant, kontext-sensitiv, unmittelbar,multimodal.

Quelle: De:Bug 05.2011, S. 16ff.

Grundlegendes zum Begriff Interface findet sich auf dieser Seite.

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Trackbacks/Pingbacks

  1. Journalismus in der Post-PC Ära - Juni 7, 2011

    [...] Was ich in diesem Kontext in letzter Zeit inspirierend fand? Die interaktive Billboard Kampagne von McDonalds in Stockholm zum Beispiel. Das mobile Reporter-Interface von Meporter. Die zugegebenermaßen ausbaufähige Integration eines Games in einer News-App bei Popular Mechanics. Dazu habe hier einen Text geschrieben: Why News Organisations Need Game Designers. Interessant auch der Versuch aus einem animierten Film eine interaktive iPad-App zu machen: Film Makers Turn to iPad for Interactive Storytelling. Noch interessanter vielleicht Condition ONE – a mobile media technology company developing the tools and platform to combine filmmaking, photojournalism and mobile devices to pioneer powerful immersive experiences. Auch bei Facebook. Noch nicht abschließend beurteilen will und kann ich die “Al Gore App” von Push Pop Press. Die Begeisterung von John Gruber kann ich auf jeden Fall nicht teilen. Zum Thema NUI gab es in der letzten De:Bug einen Text. Auszug hier. [...]

  2. Making The Game – Teil 8: Vergleich von NUI GUI | porzelt.net - April 29, 2012

    [...] zu herkömmlichen Computern mit grafischer Oberfläche besitzt.       Quellen: http://gegenwaerts.com/?p=72 [...]

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