Massenkompatibilität von Videos im Web 2.0

Gegenwärtige Video-Plattformen bieten unzählige Möglichkeiten der Vernetzung an. Wie sehen diese im Einzelnen aus und welche Angebote stellen sie an die Masse ihrer User? Wie lässt sich die neue Qualität der Masse in Bezug auf hypermedialisierte Bewegtbildinhalte charakterisieren? Wo tritt sie in Erscheinung?

Videoschnitt auf dem iphoneProdUser. Jedes Handy schafft tendenziell einen neuen Medienproduzenten. Ausgestattet mit hochauflösender Smartphone-Kamera können Bewegtbildinhalte ohne spezielles Fachwissen erstellt und ins World Wide Web geladen werden. YouTube, Vimeo und viele weitere Plattformen bieten dem User den notwendigen Speicherplatz an, während Twitter und Facebook die Verteilung übernehmen. Die Masse der Produzenten schließt sich auf den Video-Portalen zusammen und bildet gleichzeitig den Großteil der Masse ihrer Nutzer – kaum ein Nutzer, der nicht bereits produziert hätte. Dabei steht nicht zwangsläufig das Produzieren der Bilder im Vordergrund:

Bewerten, Kommentieren, Verlinken und Einbetten sind weitere Betätigungsfelder der ProdUser. Alle diese Tätigkeiten dienen gleichzeitig dazu die Masse der Nutzer eines bestimmten Videos zu vergrößern und bereits vorhandene User zu reaktivieren.

Hypermedialisierung. Ein wesentliches Merkmal von Bewegtbildern ist Ihre Linearität. Das Medium fordert die Betrachtung seiner Inhalte als eine linearen Abfolge von Bildern ein. Eben diese Linearität hat die Entwicklung des Hypertext bei Textmedien endgültig durchbrochen. Für das World Wide Web ist der Link, der jedem Rezipienten einen individuellen interessengeleiteten Weg durch das Informationsangebot verspricht, konstituierend. Bewegtbildinhalte werden daher an den Hypertext des Internet angepasst bzw. hypermedialisiert. Sie werden verlinkt, verschlagwortet, in kleinere Einheiten unterteilt bzw. segmentiert und in verschiedene Kontexte eingebunden.
Die verbreiteten Videoplattformen erzeugen nach dem Hochladen eines Videos automatisch die notwendigsten Anpassungen an den Hypertext: Bedienungselemente, wie Play-Button, Lautstärkeregler, Timeline. Gleichzeitig entsteht ein eigener Link sowie ein Webcode, der das Weiterleiten, Empfehlen und Einbetten des jeweiligen Videos so leicht wie möglich macht. Die Weiterentwicklung von Online-Mediatheken zielt darauf ab, massenkompatibel zu bleiben und neue Massen zu erschließen. HTML-5-Standard und Flash werden zur Pflicht. Keine Plattform kommt ohne den Link zu Facebook und Twitter aus.

Neue Massen. Ein wesentliches Charakteristikum der Masse ist nach Elias Canetti, die gefühlte Gleichheit der Beteiligten. Der Einzelne löst sich in der Masse auf, bleibt anonym. In den virtuellen Massen des Web 2.0 wird dagegen jede einzelne IP-Adresse erfasst und mit weiteren Informationen von verschiedenen Webseiten verknüpft, auf denen Spuren vitrtuelle Masse aus der Nähehinterlassen wurden. Aus der Masse an Daten werden für jeden einzelnen Nutzer die Empfehlungen und Suchergebnisse angepasst. Dabei machen die Maschinen möglich, was Menschen verwährt bleibt: Die Gesamtheit der Gesichter innerhalb der Masse sind für uns unsichtbar, für Maschinen aber keinesfalls unberechenbar. Zunehmend bekommt der Einzelne im Gegenzug dafür Möglichkeiten über diverse Nutzeridentitäten und Dienste wie Facebook, Teilmengen der virtuellen Masse aus der Nähe zu betrachten.

Gleichzeitig erscheint die Masse führungslos. Dort, wo sich bestimmte Interessen im Netz bündeln, entsteht sie als anwachsender Netzknoten mit unzähligen Strängen – und wird gespeichert in der jeweiligen Anzahl von Aufrufen, IP-Adressen und User-Profilen. Diese neue Masse zerfällt nicht, sie kann nur anwachsen, dafür bleibt sie uns die Gleichzeitigkeit des persönlichen Zusammenkommens schuldig.

Die Präsenz im Netz, die ein Video aufgrund seiner Zugriffszahlen und seinen Empfehlungen im Social Web über Facebook und Co. erfährt, wird zunehmend entscheidender als sein Inhalt. Hypermedialisierte Bewegtbildinhalte bleiben massenkompatibel, indem sie fortwährend neue Angebote an die Masse machen und gleichzeitig das Verhalten der Masse auswerten und anzeigen. Auf YouTube werden uns die Statistiken der Aufrufe direkt unter dem jeweiligen Video bedeutungsvoll präsentiert. Wird die Masse zur Botschaft?

YouTube-Statistik

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  1. Remix: Videoklone und Dj-Kultur auf Youtube | Grundversorgung 2.0 - Juni 27, 2014

    […] zugänglicher geworden und können gleichzeitig verlustfrei kopiert und verbreitet werden. Das Internet ist Materialquelle und Publikationsplattform zugleich. Egal ob es sich um Reiseberichte, Kochanleitungen, Nachrichtensendungen, Einkaufslisten, DJ-Sets, […]

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