Musikvermittlung am Beispiel von DAFT PUNK per Point and Click Adventure
Neulich am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Marburg – Inwiefern lässt sich Musikgeschichte anhand eines Point and Click Adventures vermitteln? Dazu hatten die Wissenschaftlerinnen unter Federführung von Dr. Andreas Tribotius das Lehrprojekt MuseGame mit Förderung der Stiftung Innovation in der Hochschullehre ins Leben gerufen. Zur Abschluss-Tagung konnte ich mit einem ganztägigen Workshop aufgrund meine Expertise in Games und Gamification beitragen. Dabei habe ich ein Szenario rund um das Elektro-Duo Daft Punk gewählt, das für die neuere Musikgeschichte ebenso relevant sein mag, wie Richard Wagner, dessen Biographie und Werk die narrative Grundlage des an der Universität Marburg entwickelten Game-Prototypen bildeten. (In Bezug auf Games ist außerdem erwähnenswert, dass die Kompositionsstrategie der Verwendung von Leitmotiven, u.a. bei Wagner seinen Ursprung hat.)

Daft Punk haben ihre musikalische Karriere als Bedroom-Producer begonnen und von dort aus das Genre French House geprägt. Vor allem aber zeichnen sie sich durch ihre virtuosen Samplepraktiken aus. Gemeinsam mit den Workshopteilnehmer*innen haben wir auf Grundlage der von der Hochschule entwickelten Game-Engine, den von mir vorbereiteten Materialien und Inputs sowie vorproduzierten grafischen Settings eine Handlung entworfen:
Eine noch unbekannte Musikproduzentin sitzt in ihrem Zimmer oder besser Bedroom-Producer-Studio und bekommt eine E-Mail. Sie hat heute Abend einen Auftritt als DJ. Sie weiss auch schon was in ihrem Set nicht fehlen darf „One more Time“ von DAFT PUNK …
Die Spieler*innen müssen sich also im Zimmer orientieren und per Mausklick zuerst die Mail am Computer der Protagonistin abrufen, dann die DAFT PUNK Platte „Discovery“ finden, anklicken und per Klick auf den Plattenspieler abspielen.
Leider zerbricht die Platte beim Herausnehmen. Daraufhin beschließt unsere Protagonistin, den Track selbst bauen …
Damit kommen im weiteren Verlauf folgenden Aufgaben auf die Spieler*innen zu: Finde den Track mit dem Original Song (Lösung: „Eddie Johns: I put a Spell on you“), Passe die Abspielgeschwindigkeit und Reihenfolge der Samples an. Baue den passenden French House-Beat auf der Drum Machine im Zimmer nach …
Umwandlung des Tracks von Eddie Johns „I put a spell on you“ (1978) in 3 Schritten
Die Entwicklung dieses kleinen Musikspiels gestaltete sich auf vielen Ebenen abwechslungs- und lehrreich. Zuerst musste in der Musikgeschichte recherchiert werden, um inhaltliche aber auch didaktische Fragen zu beantworten, etwa nach der Reihenfolge der Musikalben, der Entstehung von French House oder den Zusammenhängen mit den Produktionstools. Und was wäre jeweils für die Vermittlung relevant und wie liesse sich das didaktisch sinnvoll in das Spiel einfügen. Schließlich mussten medientechnische Fragen beantwortet werden (Wie bereite ich die Audio-Samples vor, wie funktioniert das Skript des Spiels? Wo muss ich die Dateien (Assets) plazieren? Was wird wie und wann geladen …?) und Aufgaben koordiniert und verteilt werden.
Am Ende ließ sich das Spiel in der begrenzten Zeit zwar nicht vollkommen umsetzen, aber auch ohne die tatsächliche Umsetzung, bietet ein derartiges Lernsetting eine guten methodischen Ausgangspunkt, um sich musikhistorischen und anderen Themenfeldern zu widmen. „One More Time!“