Das Weben des Hypertextes

„Die Metapher des Hypertextes trägt der unendlich rekursiven Struktur des Sinnes Rechnung, denn da er Worte und Sätze verbindet, deren Bedeutungen jenseits der Linearität des Diskurses in Beziehung und Resonanz zueinander stehen, ist ein Text immer auch ein Hypertext, ein Netz von Assoziationen.

In der Vokabel „Text“ klingt, etymologisch gesehen, die sehr alte weibliche Technik des Webens an. Und vielleicht ist es kei Zufall, wenn das Gewebe aus Verben und Nomen, durch das wir versuchen, den Sinn zu behalten, auf einen Terminus aus dem Textilbereich zurückgreift. Die Menschheit, eine sprechende Spezies, ist auch eine Gattung, die sich kleidet. Die sorgfältig gewebte Kleidung umhüllt uns, bestimmt uns und bildet ein buntes Interface zwischen der Wärme unserer Haut und der Härte der Welt.“

Pierre Lèvy: Die Metapher des Hypertextes (1990). In: Pias, Claus et al. (Hrsg.): Kursbuch Medienkultur. Die maßgeblichen Texte von Brecht bis Baudrillard, 2008, S. 528

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