Mahlzeit! Selbstgemachter Synthi in Brotdose

20110714-121553.jpgDienstag Abend 19:00 Uhr. Treffen im Gängeviertel. Ein Workshop zum Synthesizer bauen steht mir bevor. Den eigenen Lötkolben und eine Löthand mitbringen, stand auf der Website der Veranstalter, LeafAudio. Ich habe zwar schonmal die Buchse meiner E-Gitarre neu verlötet, aber das war ein ziemlicher Kampf – Lag bestimmt am Werkzeug. Nun habe ich den 1A-Lötkolben meines Schwiegervaters dabei. Damit wird es bestimmt einfacher und soviel gelötet wird ja vielleicht gar nicht, oder doch? Es versammeln sich einige Gestalten im Durchgang zum Innenhof am Gängeviertel, fast nur Männer, interessiert und erwartungsvoll. Wir steigen die unzähligen, knarrenden Holzstufen eines Gebäudes hoch, das der Putz wieder Erwarten noch zusammenhält. Jemand hat “Wandtumor” neben einen gigantischen putzfreien Placken an die Innenfassade geschrieben. Im Dachgeschoss angelangt betreten wir ein kurzerhand umfunktioniertes geräumiges Fotostudio. Ich mag solche Räume, hohe Decken, Holzfussboden, hochgradig restaurierungsbedürftig, aber so wie es ist, sehr charmant. Jetzt geht’s los! Auf einem zentralen Leuchttisch liegen Stapel von Brotdosen, Kabel, Drähte und elektronische Kleinteile, wie Schalter, Buchsen, Wiederstände. Manu stellt uns das Sortiment der Snackbox-Synthesizer vor: BingBong, RingDing, Bumsss, Noisefoc und Fuzz-O-Mat.


4 Pix by Thedi

Augenblicklich wird der Raum von gewaltigen Klangwellen erschüttert. Nur kurz denke ich an den Putz im Treppenhaus, der jetzt bestimmt erneut von den Wänden rieselt. Entscheidung: Welchen Synthi soll ich bauen, wobei ich mir ehe nicht vorstellen kann, dass der am Ende funktioniert? Der Bumsss hat’s mit ziemlich angetan, ist aber nichts für Anfänger. Also entscheide ich mich für den Noisefoc mit optionaler KlickKlack-Erweiterung. “Erstmal ohne KlickKlack fertigstellen” meint der Experte “achja und den Funktionstest machen wir, bevor das Ganze im Gehäuse verschraubt ist.” Ich entscheide mich für ein knallgrünes transparentes Gehäuse, also einen zeitlosen Klassiker unter den Brotdosen, und setze mich zur 5er Gruppe Noisefoc.

“Noisefoc: Der Noisefoc hat 3 Oszillatoren, welche sich gegenseiting modulierenn können. Zur Steuerung der Frequenzen werden Potis und ein Lichtwiderstand benutzt, über den das Gerät auch mit Lichtquellen wie Taschenlampen etc. steuerbar ist. Ein Chaos-Regler lässt die Schaltung bei Bedarf vollends aus dem Ruder laufen und produziert Noise hoch 10. Zwischen hochfrequent fietschendem Noise, tiefen Drones, und rhythmischem Klacken geht einiges. Der Ausgang ist als 6,3mm Klinke ausgeführt.” (LeafAudio)

Und jetzt? Anleitung anschauen. Schaltplan. Erstmal Lötkolben vorheizen. Ich beginne wie die Anderen, die Kleinteile um die Platine herumzusortieren. Erstmal einen Schluck Bier nehmen. Wiederstände, von denen man ungefähr 10 000 verbauen muss, sind winzig und haben Farbringe, die sie voneinander unterscheidbar machen. Ich kneife die Augen zusammen: rot rot braun blau grau – Nein – orange orange blau … Die kleinen Drähte durch die Platine stecken. Entlang der Leiterbahnen löten. Der erste Lötkolben am Tisch gibt bereits seinen Geist auf. Es riecht nach verbranntem Plastik und kochendem Lötzinn. Bierflaschen wandern auf den Fußboden. Die Drahtbrücke nicht vergessen. Potis anbringen. Klinkenbuchse (Kenn ich!). Schalter. Gegen 23:00 Uhr ist alles irgendwie zusammen. Fertig!

Ich betrachte dicke, tropfenförmige Lötstellen auf meiner Platine, mir kommen Zweifel an ihrer Funktionstüchtigkeit. Aber die ersten Noise-Maschinchen sind ja schon zu hören. Die meisten von uns stehen jetzt um den zentralen Leuchttisch herum und können es nicht abwarten: Wird aus meinem ersten selbstgebauten Synthi auch nur ein Ton herauskommen? Workshopleiter Manu schließt eine Snackbox nach der anderen an die Anlage an, lötet On The Fly, also während schon Einiges zu hören ist, aber eben nicht Alles. An Oscilator zwei nochmal schnell die Verbindung heiß gemacht und ab geht’s. Ich bin an der Reihe. Skeptisch werden die Lötstellen beäugt. Nochmal was Überschüssiges entfernt. Klinkenbuchse bestückt. 9v-Block ran. Und?! Mein Noisefoc beschallt das Gängeviertel. Glückseeligkeit. Breites Grinsen. Nach eingehenden Testen aller Schalter und Potis, Handschlag und auf die Platine geschaut. “Wenn er mal Probleme macht, dort nochmal neu verlöten.” Grossartig jetz muss das Ding nur noch in die Dose und dann wird Sound geschraubt. Moment noch – KlickKlack-Erweiterung […]


http://vimeo.com/channels/gegenwaerts

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