Datenfresser vs. Digitale Mündigkeit

Als mündige Bürger bewegen wir uns in der Gesellschaft, können uns informieren und nach den demokratischen Regeln Einfluss nehmen. Auch im Internet ist dies prinzipiell der Fall, nur daß es ungleich schwerer nachzuvollziehen ist, wie unsere Einflussnahmen sich in verschiedenen Webanwendungen auswirken. Manchmal wissen wir noch nicht einmal darüber Bescheid, wenn wir beispielsweise während unsere Suche bei Google Spuren hinterlassen und fragen uns verwundert: „Warum werden mir jetzt bei gmx genau die Schuhe angeboten, die ich neulich bei Google entdeckt habe?“. Die Datenfresser sind schuld. Gierig

schlucken Sie alles, was wir unbedarft im Netz hinterlassen und verarbeiteten es über wohl behütete Algorithmen weiter, benutzen es für wohl platzierte Werbung, Zielgruppenanalysen und wer weiß wofür noch und teilen ihr Gericht auf Anfrage zuweilen auch mit der Staatsmacht.


Angesichts der Übermacht solcher Datenfresser wird es Zeit für einen „Wegweiser zur digitalen Mündigkeit“ (Hofmann, SZ 145) – es gilt, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie persönliche bzw. personenbezogene Daten von Unternehmen genutzt werden. Was stellt das Social Web mit meinen Daten eigentlich an?

Eine ausführliche und verständliche Einführung / Anleitung von zwei Sprechern des Chaos-Computer-Clubs Constanze Kurz und Frank Rieger ist vor Kurzem unter dem Titel „Die Datenfresser- Wie Internetfirmen und Staat sich unsere persönlichen Daten einverleiben und wie wir die Kontrolle darüber zurückerlangen” erschienen.

„Wir sind der Versuchung des Versprechens von der immer größeren Effizienz, von der Plan- und Berechenbarkeit, von Sicherheit und Fortschritt erlegen, ohne nachzufragen, ob wir einen adäquaten Gegenwert für die Daten bekommen, mit denen wir kollektiv für die Verheißungen bezahlen. Wir geben Informationen über uns preis – freiwillig und unfreiwillig –, von denen wir nicht einmal ahnen, wie sie in Zukunft verwendet werden. Doch daß die Datenwährung, mit der wir faktisch für all die kostenlosen Internetdienste und auch für das Versprechen von mehr staatlicher Sicherheit bezahlen, uns später noch viel teurer zu stehen kommt, als wir momentan annehmen, ist absehbar. Daten zu speichern und aufzuheben gilt als besser, als sie zu löschen: Man weiß ja nie, wozu sie noch gut sein können. Das digitale Gedächtnis wächst und wächst, ein Ende ist nicht vorgesehen.“ (ebd., Leseprobe, S. 10)

Trotz allem bleiben die Dienste von Facebook, Google, Twitter und Co. nützlich, unterhaltsam und informativ. Der Nutzer muss von Fall zu Fall entscheiden, was er mit seinen digitalen Freunden teilt, bei Google sucht, welche persönlichen Daten er wo im Netz hinterlassen möchte. Dieser Mittelweg, trotz Nutzung fantastischer Webanwendungen nur in ausgewählten Bereichen transparent zu sein, ist nicht immer einfach und vor Fehltritten ist niemand sicher, aber er macht uns angesichts diverser wachsender Datenkraken sensibel und „digital mündig“.

Interview mit Constanze Kurz bei Netzpiloten und netzpolitik.org

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